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Rückblick auf ein starkes Wochenende rund um den feministischen Kampftag in Kiel

  • Autorenbild: Zwischenfunken Kollektiv
    Zwischenfunken Kollektiv
  • 13. März
  • 3 Min. Lesezeit

Rund um den 8. März, den feministischen Kampftag, wurde Kiel zum Schauplatz vieler Stimmen und Begegnungen. Es war ein Wochenende voller Energie, Nachdenklichkeit und Zusammenhalt. Und wir waren mittendrin.


Der Auftakt begann am 7. März mit unserer Demoschild-Bastelaktion in der Hansa 48. Draußen wurde geschnitten, gemalt und geklebt. Pappe verwandelte sich in Botschaften, Hände in Werkzeuge des Protests. Drinnen lief der Film „Fusion“, der die schwierige Situation von Schwangerschaftsabbrüchen in Flensburg beleuchtet. Dabei entstand zwischen Farbe, Gesprächen und Film eine gemeinsame politische Stimmung.Am Abend leuchtete die Stadt dann bei der „Take Back the Night“-Demo, die von der TKKG Kiel, der Fantifa (feministische Antifa) und der Queerfeministischen Bande organisiert wurde. Viele Menschen waren gemeinsam unterwegs durch die Nacht, um sich Raum und Sicherheit zurückzuerobern. Zwei Mitglieder des Zwischenfunken Kollektivs sprachen dort und machten Mut machten, lösten stilles Nicken aus, vielleicht auch Wut. Aber vor allem: Gemeinschaft.



Am 8. März selbst zeigte sich Kiel von seiner freundlichsten Seite. Die Sonne schien warm auf Gesichter, der Himmel war weit und blau, die Luft roch ein kleines bisschen nach Frühling. Etwa 2.000 Menschen folgten dem Aufruf des Bündnisses 8M-Kiel und zogen durch die Stadt. Vom Platz der Kinderrechte über den Hauptbahnhof und Stresemannplatz, ging die Demoroute bis zum Rathaus. Auf Transparenten stand, wofür viele von uns täglich kämpfen: sichere Arbeit, gerechte Löhne, körperliche Selbstbestimmung.

In den Redebeiträgen klang vieles an, was feministische Kämpfe so dringend und so menschlich macht: dass Gleichberechtigung mehr ist als eine schöne Idee, dass sie Strukturen, Sprache und Machtverhältnisse verändern muss. Dass Sorgearbeit sichtbar werden und geteilt werden sollte. Und dass wir erst dann frei sind, wenn es alle sind.



Wir liefen mit unseren Bannern im FLINTA*-Block, zwischen Trommeln und Gesängen, begleitet von Wind, der die Parolen weitertrug. Später, am Nachmittag, wurde es dann wieder etwas leiser. Gemeinsam mit Reading Party Kiel richteten wir die feministische Reading Party im Cobl aus. Zwischen weichen Sesseln, deren samtener Stoff an Haut und Ruhe erinnerte, und zauberhaft kreierten Getränken, lasen wir Texte, die berühren und aufrütteln.Auszüge aus „Nemesis Töchter“ von Tara-Louise Witt fanden ihren Weg in den Raum, ebenso wie der Essay „Das Jungfernhäutchen gibt es nicht“ von Oliwia Hälterlein und Aisha Franz. Menschen lasen abwechselnd, blätterten, schwiegen, nickten. Manche brachten eigene Bücher mit, andere entliehen welche vom queeren Buchclub Kiel. Ein stiller Dialog entstand, zwischen Worten und Zuhörenden, ein leises Nachglühen des Tages.



Der 9. März brachte einen neuen Rhythmus. Es war der Tag des feministischen Streiks, inspiriert vom historischen „Women’s Day Off“, den isländische Frauen 1975 organisierten: ein Tag, an dem sie die Arbeit niederlegten, um zu zeigen, dass ohne sie nichts läuft. In Kiel wurde diese Idee kreativ aufgegriffen.

Wer wollte, konnte im Studio Filmtheater den passenden Film „Ein Tag ohne Frauen“ kostenlos sehen, mit anschließender Gesprächsrunde. Der Saal war ausgebucht und nach der Vorführung voller spürbarer Energie. Um 14:30 Uhr ging es los mit einer weiteren Demo, Startpunkt Exerzierplatz, dieses Mal organisiert u.A. von Der Linken. Das Zwischenfunken rief in Kooperation mit Kulturgrenzenlos zu einem gemütlichen Ausklang auf. Im FKK (Fahrradkinokombinat) in der Alten Mu trafen sich FLINTA*, um Collagen zu gestalten, Zines zu drucken und so zu einem gemütlichen Bastelnachmittag zusammenzukommen.

So endete ein Wochenende, das anstrengend und gleichzeitig tief erfüllend war. Wir haben gerufen, gelesen, gelacht. Wir haben diskutiert, gebastelt und uns gegenseitig gestärkt.



Danke an alle, die mitgestaltet, zugehört und teilgenommen haben. Danke für euer Dasein, euer Tun, euer Mitfühlen.

Kiel hat in diesen Tagen gezeigt, wie vielfältig gelebter Feminismus sein kann: auf den Straßen, in Kinosälen, in Cafés, an Basteltischen, in Gesprächen. Zwischen laut und leise, zwischen Wut und Zärtlichkeit wächst die Bewegung weiter, jeden Tag ein Stück.

Der 8. März erinnert uns jedes Jahr daran, warum wir uns zusammenschließen, laut werden, Raum einnehmen und füreinander da sind. Doch Feminismus endet nicht an diesem Datum. Die Kämpfe um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Sichtbarkeit begleiten uns das ganze Jahr. Darum wollen wir den Schwung der letzten Tage mitnehmen, denn eigentlich ist jeder Tag im Jahr ein feministischer Kampftag.

 
 
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