Pressemitteilung zur Versorgungslücke bei Schwangerschaftsabbrüchen: Anhörung im Petitionsausschuss des Landtags
- Zwischenfunken Kollektiv
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Kiel, 28.04.2026
Im Petitionsausschuss des Landtags wurde heute die Versorgungssituation bei Schwangerschaftsabbrüchen in Flensburg beraten. Dabei wurde deutlich, dass die bestehenden Probleme weiterhin nicht gelöst sind und Betroffene nach wie vor mit erheblichen Hürden konfrontiert sind.
Eine Vertreterin des Sozialministeriums war zwar anwesend, gab jedoch keine eigene Stellungnahme ab. Sie verwies darauf, dass die Einschätzung des Gesundheitsministeriums ausreichend sei und beide Häuser diese gemeinsam erarbeitet hätten. Eine eigenständige Position des Sozialministeriums zur Situation in Flensburg oder zur vorliegenden Petition liegt damit bis heute nicht vor.
Der Vertreter des Gesundheitsministeriums bekräftigte die bisherige Haltung des Hauses. Unter anderem verwies er auf Regelungen, die bis in die Zeit der Weimarer Republik zurückreichen. Dies sorgte im Publikum für hörbare Reaktionen, da es die lange Dauer der Debatte um Schwangerschaftsabbrüche erneut verdeutlichte. „Es ist 2026 – und wir diskutieren immer noch darüber, ob, wie und wo Menschen eine Schwangerschaft beenden dürfen," sagte Jasmina Bajramovic vom Kieler Zwischenfunken Kollektiv.
Kritik wurde zudem an der Darstellung der sogenannten „Pille danach“ geäußert. In offiziellen Stellungnahmen des Malteser Ordens und des Gesundheitsministeriums wurde diese als mögliche Alternative zu einem Schwangerschaftsabbruch nach einer Vergewaltigung dargestellt. Fachlich ist das nicht korrekt. Die „Pille danach“ verschiebt einen Eisprung und muss innerhalb eines engen Zeitfensters eingenommen werden. Hat der Eisprung schon stattgefunden bleibt sie wirkungslos und ein Schwangerschaftsabbruch kann dennoch nötig sein. Eine solche Darstellung vom Gesundheitsministerium führt zu falschen Erwartungen und trägt zur Verunsicherung Betroffener bei.

Im Verlauf der Anhörung wurde die aktuelle Lage in Flensburg aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Ein gemeinsames Fazit ergab sich jedoch nicht. „Wir wissen, dass die Betroffenen seit der katholischen Übernahme des Flensburger Krankenhauses gefährdet sind und keinen verlässlichen Zugang mehr zu Schwangerschaftsabbrüchen haben. Das kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich enden“, erklärte Birte Lohmann, Petentin und Mitglied des Flensburger Netzwerkes ( Kollektivs) fem.aktion. Auch seitens der Stadt Flensburg wurde die angespannte Situation bestätigt.
Deutlich wurde zudem, dass die Versorgungslage weiterhin verharmlost wird. Die Rechte von Schwangeren auf Selbstbestimmung werden aus Sicht der Petition nicht ausreichend berücksichtigt. Das Gesundheitsministerium hält weiterhin daran fest, dass längere Anfahrtswege zumutbar seien. Dabei bleiben konkrete Lebensrealitäten oft unberücksichtigt. Neben gesetzlichen Vorgaben und gesellschaftlicher Stigmatisierung stellen zusätzliche Wege, organisatorischer Aufwand sowie Wartezeiten von bis zu zwei Wochen eine erhebliche Belastung dar. Dies gilt besonders unter erschwerten Bedingungen wie eingeschränkter Mobilität, gesundheitlichen Problemen, Care-Verpflichtungen oder kontrollierenden Lebenssituationen.

„Die Anhörung hat gezeigt, dass viele die schwierige Situation nicht verstanden haben“, so Birte Lohmann.
Eine Entscheidung über die Petition wurde am Tag der Anhörung nicht getroffen. Die weitere Beratung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt nicht öffentlich. Die Empfehlung des Petitionsausschusses (Das Ergebnis) wird schriftlich mitgeteilt.
Breite Unterstützung für die Petition
Die gemeinsame Petition der fem.aktion aus Flensburg und des Zwischenfunken Kollektivs aus Kiel erhielt innerhalb eines Wochenendes über 9.000 Unterzeichnungen. Insgesamt wurden rund 12.500 Unterschriften gesammelt. „Damit haben wir gemeinsam ein klares zivilgesellschaftliches Signal für eine verlässliche Gesundheitsversorgung und Selbstbestimmung gesetzt“, erklärte Wencke Klütz vom Zwischenfunken Kollektiv.

Die Petition fordert unter anderem Maßnahmen zur Sicherstellung einer wohnortnahen Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen. Dazu gehört, dass Ärztinnen und Ärzte weiterhin selbstständig Schwangerschaftsabbrüche durchführen können. Außerdem sollen bestehende Verträge rund um das Flensburger Klinikum rechtlich geprüft und die zukünftige Trägerschaft neu bewertet werden, um eine stabile Versorgung zu gewährleisten.
Aktuelle Lage in Flensburg
Seit März ist in Flensburg ein Teil des bisherigen Angebots weggefallen. Für Betroffene bedeutet das eine deutliche Einschränkung beim Zugang zu wohnortnahen Angeboten.
Seit der Übernahme der DIAKO durch den Malteserorden wurden verschiedene politische Initiativen eingebracht. Diese zielen jedoch überwiegend auf langfristige Lösungen ab. So prüft die Stadt Flensburg derzeit den Aufbau eines Medizinischen Versorgungszentrums. Eine Umsetzung ist jedoch frühestens ab 2030 realistisch und kann die aktuelle Versorgungslücke nicht schließen.
Aus Sicht der Petition steht das Land Schleswig-Holstein in der Verantwortung, eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.


